BGBRG Fürstenfeld

7.Klassen - Theaterfahrt im Rahmen des Literaturunterrichts

Johann Wolfgang von Goethe (1749 – 1832), einer der größten, wenn nicht der größte Schriftsteller deutscher Sprache, schuf mit seinem Werk „Faust. Der Tragödie Erster Teil“ das wohl meistgelesene Werk, auf das Freunde der Literatur zurückgreifen können. Es handelt von einem Wissenschaftler, der in seinem Durst nach unendlichem Wissen auf die „schiefe Bahn“ gerät und mit dem Teufel, Mephistopheles, einen Pakt eingeht. Doktor Faust – der Teufelsbündler.

DER TEUFEL, DAS WISSEN UND DAS MÄDCHEN: „FAUST I“

Basierend auf der aufklärerischen Grundhaltung der vorgegangenen Jahrzehnte – der Wunsch nach dem „Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit“ (Immanuel Kant) – entstand mit dem Sturm und Drang ein Zeitalter, das von Geniekult und Originalität gleichsam geprägt war wie von „geflügelten Worten“, von denen „Faust“ nur so strotzt. Martin Swales, Germanistikprofessor in Cambridge, sagt daher: „Was nicht zu leugnen ist, ist, dass […] die Resonanz für die deutsche Sprache absolut immens ist, wahrscheinlich größer als von irgendeinem anderen Werk, mit Ausnahme der Lutherbibel. Aber es ist eine Art Bibel gewesen für die deutsche Sprache, für die literarische Sprache.“

Daher machten sich die Schüler(innen) der 7. Klassen am Donnerstag, dem 16. November 2017, gemeinsam mit ihren Professorinnen Fr. Prof. Falk, Prof. Fodermayer und Prof. Damm auf den Weg nach Graz, um sich im Grazer Theater „Next Liberty“ die Nicolas-Habjan-Inszenierung des Werkes „Faust I“ von Johann Wolfgang von Goethe anzusehen.

 „Mich plagen keine Skrupel noch Zweifel,

Fürchte mich weder vor Hölle noch Teufel –

Dafür ist mir auch alle Freud entrissen,

Bilde mir nicht ein, was Rechts zu wissen,

Bilde mir nicht ein, ich könnte was lehren,

Die Menschen zu bessern und zu bekehren.

Auch hab ich weder Gut noch Geld,

Noch Ehr und Herrlichkeit der Welt;

Es möchte kein Hund so länger leben!

Drum hab ich mich der Magie ergeben,

Ob mir durch Geistes Kraft und Mund

Nicht manch Geheimnis würde kund;

Daß ich nicht mehr mit saurem Schweiß

Zu sagen brauche, was ich nicht weiß;

Daß ich erkenne, was die Welt

Im Innersten zusammenhält“

Auszug aus: Johann Wolfgang von Goethe, Wolf Dieter Hellberg (Hg.): Faust. Der Tragödie Erster Teil. Reclam XL – Text und Kontext.

Der Intendant Habjan macht es sich in diesem Werk zur Aufgabe, die Geschichte über Faust mit den Mitteln des Puppentheaters aufzubereiten und fragt sich dabei, warum die Tragödie der selbstzerstörerischen Natur des Menschen sowie die Frage nach dem Sinn des Strebens nach mehr Glück, Liebe, Lust und Erkenntnis nicht an gesellschaftlicher Brisanz verliert. Die Grundfrage: Warum ist das „Faust-Syndrom“ eine Konstante der Menschheit? Benno von Wiese geht in diesem Zusammenhang sogar so weit, dass er sagt: „Es wird zur großen tragischen Paradoxie der Faustdichtung, dass der Mensch nur durch den Teufel zu Gott gelangen kann“.

Insofern war es umso spannender dem „Puppentheater“ – so kindisch das auch klingen mag – im Grazer „Next Liberty“ zu lauschen und die Facetten von Goethes Werk in völlig unbekannter Art und Weise zu erleben.

„Faust“ ist der bekannteste Klassiker deutscher Literatur und dadurch auch für zahlreiche Redewendungen und Sprichwörter – sogenannte „geflügelte Worte“ – bekannt, obwohl man bei ihrer Verwendung oft auf ihren Ursprung vergisst. Die folgenden Zitate haben Sie sicher schon hin und wieder gehört: „Mein schönes Fräulein, darf ich wagen, meinen Arm und Geleit ihr anzutragen?“, „Zwar weiß ich viel, doch möchte ich alles wissen“, „Die Botschaft hör ich wohl, allein mir fehlt der Glaube“, „Hier bin ich Mensch, hier darf ich’s sein“. Diese Liste ließe sich unendlich weit fortführen.

„Faust“ ist auch heute noch aktuell. In „Harry Potter“ zum Beispiel lassen sich einzelne Motive der Faustdichtung erkennen, und auch das Verhalten des Doktors erneuert sich immer wieder in der heutigen Zeit – eine Konstante der Menschheit, wie schon oben beschrieben. Auch im Nationalsozialismus – um ein negatives Beispiel zu nennen – wurde Goethes Werk verwendet, allerdings nicht zur Muse oder Bildung, sondern zur propagandistischen Fehlinterpretation von Sätzen wie „Blut ist ein besonderer Saft“.

Schlussendlich ist es noch an mir, im Namen aller meiner Mitschüler(innen) Dank für den lebendigen und anschaulichen Schulausflug an die drei Begleitprofessorinnen zu richten.

Für alle nun auf den Geschmack Gekommenen:

Nähere Informationen zum Stück finden Sie unter der Homepage des Next Liberty (www.nextliberty.com).

Bildquelle: www.nextliberty.com

Daniel Milkovits, 7B

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